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Der Fall Vermaning

Im Januar 1965 stieß der Messer- und Scherenschleifer Tjerk Vermaning auf einen Bodenfund, der ihn zum bekanntesten Hobby-Archäologen in den Niederlanden machte. Er entdeckte Werkzeuge aus Feuerstein, bei denen es sich angeblich um etwa 50.000 Jahre alte Steinartefakte der Neandertaler handelte. Mit diesem Fund brachen Aufsehen erregende Zeiten in den Kreisen der niederländischen Archäologie an. Ab 8. Juli 2018 präsentiert das Drents Museum die Ausstellung Der Fall Vermaning, die dem Leben dieses Mannes gewidmet ist.

Im Bann des Neandertalers
Tjerk Vermaning (1929-1987) interessierte sich schon früh für die Archäologie. Nachdem er im Alter von etwa dreißig Jahren den bekannten Faustkeil von Wijnjeterp gesehen hatte, war seine Faszination für die Neandertaler und ihre Geräte aus Feuerstein geweckt worden. Daraufhin verbrachte er viel Zeit damit, auf den Äckern in Drenthe nach Werkzeugen dieser ausgestorbenen Menschenart zu suchen. Zunächst hatte er wenig Erfolg. Anfang des Jahres 1965 entdeckte er jedoch nahe des Fernsehturms bei Hoogersmilde an zwei Stellen eine größere Anzahl von Werkzeugen, die in der Wissenschaft sofort große Begeisterung auslösten. Es war das erste Mal, dass im Norden der Niederlande ganze Ansammlungen von Steingeräten gefunden wurden. Das Alter der Artefakte wurde auf etwa 50.000 Jahre geschätzt. In den folgenden Jahren machte Vermaning noch weitere Funde, und zwar in Hijken und Eemster.

Echt oder falsch?
Museen erwarben die Fundstücke, und es erschienen Artikel in Fachzeitschriften über sie. Tjerk Vermaning wurde mit dem Kulturpreis der Provinz Drenthe ausgezeichnet. Außerdem erhielt er einen jährlichen Zuschuss, um seine archäologische Arbeit fortsetzen zu können. Doch Vermaning hatte Höheres im Sinn: Er strebte nach dem Ehrendoktortitel und einer Anstellung im Drents Museum. Im Laufe der Zeit verschlechterte sich allerdings das Verhältnis von Vermaning und den wissenschaftlichen Kreisen. Eine genauere Überprüfung der gefundenen Werkzeuge ergab dann, dass sie erst in jüngster Zeit hergestellt worden waren. Im Jahr 1977 verurteilte ihn das Gericht in Assen wegen Betrugs. Ein Jahr später sprach das Berufungsgericht in Leeuwarden ihn jedoch wieder frei, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, dass er es gewesen war, der die Artefakte angefertigt hatte. Das Gericht ließ offen, ob es sich um echte Steinwerkzeuge oder um Fälschungen handelte.

Der Fall Vermaning
Die Ausstellung Der Fall Vermaning – Die Geschichte eines markanten Hobby-Archäologen in Drenthe ist dem Leben Tjerk Vermanings gewidmet. Wer war dieser Mann und wie entstand sein Interesse für die Vorgeschichte? Auch sein Verhältnis zur Presse wird beleuchtet, die in seinem Streit mit der Forschung geschlossen auf seiner Seite stand. In der Ausstellung sind viele von Vermanings Funden zu sehen, sowohl die Fälschungen (aus Hoogersmilde, Hijken und Ravenswoud) als auch echte Steingeräte, die er an verschiedenen Orten in Drenthe fand. Der Faustkeil von Wijnjeterp, der Vermanings Leidenschaft für die Archäologie entfachte, wird ebenfalls in der Schau präsentiert. Film- und Tonaufnahmen vermitteln persönliche Einblicke in das Leben des eigenwilligen Hobby-Archäologen.

Publikation
Begleitend zur Ausstellung erscheint im Verlag WBOOKS (Zwolle) die Publikation De Zaak Vermaning (niederländischer Sprache). Der Katalog umfasst 160 Seiten und ist ab 8. Juli 2018 zum Preis von 24,95 Euro im Museumsshop erhältlich.

Die Affäre Vermaning
Im Rahmen der Ausstellung präsentiert das Ensemble PeerGrouP vom 5. bis 30. September 2018 die große Openair-Theateraufführung Die Affäre Vermaning. Das Stück wird in Hoogersmilde aufgeführt, unweit der Stelle, wo Vermaning seine ersten spektakulären Funde machte. Die Aufführung ist ein humorvolles Schauspiel über den umstrittenen Drenther Hobby-Archäologen. Autor des Stücks ist Jan Veldman, und der Schauspieler Mads Wittermans ist in der Rolle des Tjerk Vermaning zu sehen. Tickets und Infos:  www.peergroup.nl

Die Texte in der Ausstellung Der Fall Vermaning sind in niederländischer und englischer Sprache.